FCI- Standard Nr. 60

Schweizer Niederlaufhund

 URSPRUNG : Schweiz.
DATUM DER PUBLIKATION DES OFFIZIELLEN ORIGINALSTANDARDS: 13.10.2015
VERWENDUNG : Brackenschlag, welcher spur- und fährtenlaut das entsprechende Wild verfolgt und jagt. Er jagt selbständig.
KLASSIFIKATION FCI: Gruppe 6 Laufhunde, Schweisshunde und verwandte Rassen. Sektion 1.3 Kleine Laufhunde. Mit Arbeitsprüfung. 


 KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS : Um die Jahrhundertwende wurde in einigen Kantonen der Schweiz das System der Revierjagd eingeführt. Da man der Ansicht war, die allseits beliebten, mittelgrossen Schweizer Laufhunde seien im Revier zu schnell, beschloss man, diese durch kleinere niederläufige Laufhunde zu ersetzen. Die durch planmäβige Zuchtauslese und geeignete Kreuzungen zielorientiert gezüchtete neue, kleinere Rasse wurde „Niederlaufhund“ genannt und zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus : Relativ niedrig in der Risthöhe, den Schweizer Laufhunden ähnlich attraktiv gefärbtes Haarkleid, wohlklingender Spur- und Fährtenlaut, sehr passionierter Finderwillen zum Brackieren und für die Schweissarbeit. Der Schweizerische Niederlaufhund-Club (SNLC) wurde am 1.Juni 1905, zuerst unter dem Namen Schweizerischer Dachsbracken-Club, gegründet. Heute heisst er Schweizer Niederlaufhund- und Dachsbracken-Club. 

 ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD: „Laufhund“-Typ, im verkleinerten Massstab des Schweizer Laufhundes. Im Format rechteckig, mäβig lang, kräftig gebaut. Mittelgrosser, trockener, edler Kopf mit freundlich-aufmerksamem Gesichtsausdruck. Ohren sehr lang, tief angesetzt und schön gefaltet. Gliedmassen trocken und robust. In ruhiger Gangart wird die Rute hängend getragen, in Aktion leicht nach aufwärts gebogen. 

 VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN): Feinnasiger, flinker, ausdauernder, passionierter kleiner Laufhund, der die Fährte sicher hält und mit wohlklingender Laute anhaltend jagt. Er sucht und sticht mit grosser Sicherheit auch in schwierigem Gelände. Der Schweizer Niederlaufhund eignet sich auch vorzüglich für die Schweissarbeit. Im Wesen freundlich, nicht ängstlich oder aggressiv. Im Temperament ruhig bis lebhaft. 

 KOPF: Edel, trocken. Von vorn gesehen eher lang und schlank, verbreitert sich langsam zur Backenpartie.
OBERKOPF: Schädel: Leicht gewölbt, keine Stirnfalten, keine Stirnfurche. Hinterhauptstachel wenig hervortretend. Distanz und Linie vom Hinterhauptstachel zum Stopp etwa gleich lang und möglichst parallel zur Linie vom Stopp bis zur Nase.
Stopp: Stirnabsatz mäβig ausgebildet.
GESICHTSSCHÄDEL: Nasenschwamm: Trüffel dunkel, Nasenlöcher weit geöffnet.
Fang: Kräftig, ziemlich lang und mitteltief, nie spitz. Nasenrücken vorzugsweise gerade oder ganz leicht gewölbt, eher schmal.
Lefzen: Obere Lefzen mäβig überfallend, vorn leicht abgerundet, nie spitz. Lefzenwinkel geschlossen.
Kiefer / Zähne: Kräftiges, regelmäβiges und vollständiges Scherengebiss, wobei die obere Schneidezahnreihe ohne Zwischenraum über die untere greift und die Zähne senkrecht im kräftigen Kiefer stehen. Zangengebiss zulässig. Fehlende PM1 oder und M3 werden nicht berücksichtigt.
Backen: Wenig ausgebildet.
Augen: Dunkel, klar, leichtoval, freundlich im Ausdruck. Weder tiefliegend noch hervortretend. Lidspalte straff mit enganliegenden Lidern. Lidränder gut pigmentiert.
Ohren: Ansatz tief, nicht über der Augenlinie, schmal; in der Länge mindestens bis zur Nasenspitze reichend; schön gefaltet und anliegend herabfallend getragen; von feiner Beschaffenheit und fein behaart. Ohrmuschel nicht vorstehend. 

 HALS: Mäβig lang, leicht und elegant, jedoch gut bemuskelt. Kehlhaut locker, Wamme jedoch nicht erwünscht.
KÖRPER : Obere Profillinie : Harmonisch vom Halsansatz bis zur sanft abfallenden Kruppe verlaufend.
Rücken : Gerade, fest, mittellang.
Lenden : Lendenpartie breit und kräftig, biegsam.
Kruppe : Zur Rute hin sanft abfallend. Die Hüfthöckersollten nicht sichtbar sein.
Brust: Breit und tief, mindestens bis zum Ellenbogen reichend. Brustbeinspitze sichtbar, aber nicht extrem vorstehend. Rippen lang, abgerundet. Rippenkorb weit nach hinten reichend.
Untere Linie und Bauch: Bauchlinie zur Hinterhand leicht aufgezogen. Flanken mäβig ausgefüllt.
RUTE: In harmonischer Fortsetzung der Kruppe angesetzt; von
mittlerer Länge, mindestens bis zum Sprunggelenk reichend; in
eleganter Spitze endend; gut behaart, ohne Fahne. In ruhiger
Situation und Gangart hängend und ohne wesentliche Biegung
getragen, in Aktion und Affekt leicht nach oben getragen, niemals
über den Rücken gekippt.

 GLIEDMASSEN
VORDERHAND: Allgemeines: Kräftig bemuskelt, jedoch nicht schwer wirkend. Von vorn gesehen trockene, gerade und senkrechte Vorderläufe von guter Knochenstärke, mit festen, gerade nach vorn gerichteten Pfoten.
Schulter: Kräftig bemuskelt. Schulterblätter relativ lang, gut schräg gelagert, flach anliegend und straff mit dem Brustkorb verbunden. Das Schulterblatt-Oberarmgelenk ist nahezu 90°.
Oberarm: Etwa gleich lang wie das Schulterblatt, schräg gelagert. Ellenbogen: Natürlich der Körperseite angelegt.
Unterarm : Kräftig, trocken, gerade, geringfügig kürzer als der Oberarm. Vorderfusswurzelgelenk: Kräftig. 
Vordermittelfuss: Kurz, von vorn gesehen senkrecht gestellt, nie ausgedreht. Seitlich gesehen nie ganz gerade, sondern leicht schräg zum Boden gestellt. Vorderpfoten: Rundlich, fest. Zehen kurz, gut gewölbt, eng aneinanderliegend. Ballen rau und hart. Solide Krallen. Feine Behaarung zwischen den Zehen. HINTERHAND : Allgemeines: Kräftig bemuskelt, in guter Proportion zur Vorderhand. Knie- und Sprunggelenke gut gewinkelt. Hinterläufe parallel, weder eng noch zu weit auseinander gestellt; in natürlicher Stellung des Hundes sollen sie leicht rückwärts gestellt sein. Knochen etwas weniger kräftig als bei der Vorderhand.
Oberschenkel: Von guter Länge und Breite, kräftig, gut bemuskelt.
Knie: Gut gewinkelt, weder nach einwärts noch nach auswärts gedreht. Unterschenkel: Verhältnismäβig lang, schräg gestellt.
Sprunggelenk: Kräftig, gut gewinkelt, tief angesetzt.
Hintermittelfuss: Kurz; von hinten gesehen gerade und parallel gestellt. Hinterpfoten: Ziemlich rund, fest; kurze, eng aneinanderliegende Zehenglieder. Ballen rau und hart. Solide Krallen. Feine Behaarung zwischen den Zehen. Keine Afterkrallen, ausser in den Ländern, in denen die operative Entfernung gesetzlich verboten ist. 

 GANGWERK: Bevorzugte natürliche Gangart: Trab oder Galopp, raumgreifend. Der Bewegungsablauf im Trab soll fliessend und schwungvoll sein, mit gutem Ausgreifen der Vorderläufe und kräftigem Schub. Geradlinige parallele Führung der Läufe.
Aktion vorne: Weder bodeneng noch paddelnd, weder zeheneng noch zehenweit.
Aktion hinten: Praktisch parallel, mit deutlichem Schub, weder zu eng noch zu weit, weder kuhhessig noch fassbeinig.
HAUT: Gut anliegend und straff, keine Falten.
HAARKLEID :
• Glatthaar: Kurz, glatt, dicht anliegend, feiner an Kopf und Ohren.
• Rauhhaar: Hart, elastisch, anliegend; wenig Unterwolle; mit leichtem Bart.
• Stockhaar: Deckhaar sehr dicht, gerade, fest anliegend, an Pfoten und Zehen kurz, dichte Unterwolle.
Farbe: Zugelassen sind folgende Farbschläge: weiss und schwarz mit lohfarbenen Abzeichen (Berner Niederlaufhund), schwarz mit lohfarbenen Abzeichen (Jura Niederlaufhund), blauschimmel mit schwarzen Platten (Luzerner Niederlaufhund) und weiss mit orange-roten Platten (Schwyzer Niederlaufhund) sowie alle Mischfarben davon.
Widerristhöhe : Rüden: 35 – 43 cm Hündinnen: 33 – 40 cm Toleranz: +/- 2 cm 

 FEHLER: Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte und dessen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Hundes zu beachten ist, und seine Fähigkeit, die verlangte rassetypische Arbeit zu erbringen. 
• Unsicheres oder leicht aggressives Wesen. 
• Knochen zu feingliedrig oder zu grob; zu wenig Substanz. 
• Kopf derb, ohne Adel 
• Nasenschwamm teilweise depigmentiert. 
• Augen zu hell, hart im Ausdruck. 
• Ohren hoch angesetzt, zu kurz, flach, dick. 
• Deutliche Wamme. 
• Sattelrücken (eingefallen) oder Karpfenrücken (aufgezogen). 
• Kruppe kurz, abfallend. 
• Brustkorb zu wenig tief, flachgerippt oder tonnenförmig. Unregelmäβigkeiten im Rippenkorb (z.B. Glockenbrust). 
• Rute zu hoch getragen, stark gekrümmt. 
• Vorderläufe krumm, aus- oder eingedreht. 
• Schulterlage steil (zu offene Winkelung); Oberarm zu kurz; 
• Vorderfusswurzelgelenke schwach, Vordermittelfuss durchgetreten. 
• Spreizpfoten, Hasenpfoten. 
• Hinterhand steil gewinkelt; Stellung kuhhessig oder fassbeinig. 

 DISQUALIFIZIERENDE FEHLER:
• Aggressiv oder ängstliche Hunde.
• Hunde, die deutlich physische Abnormalitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen.
• Nicht rassetypische Gesamterscheinung.
• Vollständig fleischfarbener Nasenschwamm.
• Vorbiss, Rückbiss, Kreuzbiss.
• Fehlende Schneide- oder Fangzähne; fehlerhafte Stellung der Fangzähne, Fehlen von insgesamt mehr als 3 Prämolaren und/oder Molaren (ausser PM1 und M3).
• Entropium, Ektropium.
• Zu kurzes Brustbein, starkabgesetzte Brust.
• Rute eingerollt oder Knickrute.
• Ristmass für Rüden : unter 33 oder über 45 cm. Für Hündinnen : unter 31 oder über 42 cm.
N.B.: 
• Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden. 
• Zur Zucht sollen ausschließlich funktional und klinisch gesunde, rassetypische Hunde verwendet werden