Der VSN e. V. ist ein kleiner, unabhängiger, engagierter Verein, gegründet mit dem Ziel, die außergewöhnliche Rasse "Schweizer Niederlaufhund" vor dem Aussterben zu bewahren.

 

Dieses Testergebnis der Niederlaufhündin eines Vereinsmitglieds erhielt ich im Zuge der letzten Mitgliederversammlung des VSN e. V. Er soll beweisen, dass das getestete Tier frei ist von der Erbkrankheit Spinocerebelläre Ataxie. Angewendet wurde ein Gentest, der für die Alpenländische Dachsbracke validiert (= sicher zutreffend) ist. 

Dem Mitglied wurde der Test verkauft mit der Bemerkung, der Schweizer Niederlaufhund stamme ja von der Alpenländischen Dachsbracke ab und daher könne man „übergangsweise“ mit dem Test arbeiten. Mit der Argumentation könnte man auch einen Test verwenden, der für Wölfe validiert ist, denn unsere Hunde stammen letztlich alle vom Wolf ab. Die Argumentation hinkt jedoch gewaltig.

Es ist zwar richtig, dass die Ausgangsrassen unserer Niederlaufhunde die Alpenländische 

Dachsbracke und der Schweizer Laufhund sind. 

Was man aber zu den Gentests bei Hunden wissen muss ist, dass sich Hunderassen in ihrem genetischen Profil zu ca. 26% unterscheiden können. Zum Vergleich: Menschen, egal welcher Größe, Hautfarbe etc. unterscheiden sich nur zu ca 5%. Deshalb kann man bei Menschen auch nicht von unterschiedlichen Rassen sprechen, bei Hunden schon. 

Wenn ein Gentest für Hunde entwickelt wird, dann zuerst für eine Hunderasse. Erhält man einen „Treffer“ für ein krankes Gen, ist der Test für diese Rasse validiert, also sicher zutreffend.
In der Mitgliederversammlung habe ich dafür das Beispiel eines Apothekerschranks mit sehr vielen Schubladen benutzt. Der Hund hat 78 Gene, also 78 riesige Apothekerschränke voller Schubladen. Mit einem Gentest guckt man in einen Schrank, in eine Schublade. Ist der Gentest für eine Hunderasse validiert, kann man sicher sagen: in der Schublade ist alles ok, der Hund ist gesund.

Arbeitet man mit einem nicht validierten Test, wie in diesem Fall, kann niemand mit Sicherheit sagen, ob man in der Schublade nichts findet weil alles ok ist, oder ob man nichts findet, weil man in der falschen Schublade guckt oder sogar im falschen Schrank!

Hätte man einen Gentest, der für Alpenländische Dachsbracke und für Schweizer Laufhunde validiert ist, könnte man wahrscheinlich davon ausgehen, dass dieser auch für Niederlaufhunde zutreffend ist. So einen Test, oder sogar einen für Schweizer Niederlaufhunde validierten Test gibt es jedoch nicht. Das wurde mir von Laboklin, dem größten europäischen Testlabor und von Prof. Dr. Leeb, dem Leiter der Genetik der tierärztlichen Universität Bern bestätigt. 

Ferner gibt es das Problem, dass der Hund im obigen Test auf Spinocerebelläre Ataxie getestet wurde. Dies ist eine neuronale Erbkrankheit, sie wird autosomal-rezessiv vererbt, sie führt zu Bewegungsstörungen der Muskeln und schließlich zu vollständiger Lähmung eines Hundes. 

Beschrieben ist die Erkrankung unter anderem für Jack-Russel-Terrier und Alpenländische Dachsbracke. 

Die Symptome der Erkrankung sind jedoch keinesfalls mit denen zu vergleichen oder gar zu verwechseln, wie diejenigen der beiden erkrankten Niederlaufhundrüden, um die es letztlich geht und deren Vater auch der Vater der oben getesteten Hündin ist. 

Um es nochmal in Erinnerung zu rufen: zwei Rüden, Geschwister, mussten im Alter von etwas über einem Jahr eingeschläfert werden. Beide zeigten schwere neuronale Ausfallserscheinungen, Bewegungsstörungen, Verhaltensstörungen, Lähmungen, Krämpfe, Sehstörungen „wie blind“. 

Diese Symptome passen überhaupt nicht zu Spinocerebellärer Ataxie, der oben getesteten Erkrankung.

Von den behandelnden renommierten Tierkliniken wurde damals Verdacht auf Neuronale Ceroidlipofuscinose oder auf cerebelläre Abiotrophie gestellt. Es ist wenig zielführend, nun eine dritte Erkrankung „aus dem Hut zu ziehen“, von der bislang nie die Rede war, die ganz andere Symptome aufweist und die von den behandelnden Tierärzten -welche die betroffene Tiere mehrfach gesehen und untersucht haben- ausgeschlossen werden kann, so die Mitteilung einer der damals behandelnden Ärztinnen. 

Mit einer Schwester der betroffenen Rüden wird außerhalb des VDH gezüchtet, Großvater und Vater der Tiere sowie Linien von Halbgeschwistern mit ähnlicher Blutlinie stehen als Deckrüden bereit. Das ist im höchsten Maße unverantwortlich zu nennen, solange die Fälle nicht aufgearbeitet sind und wir nicht wissen, um welche Krankheit es sich handelt. Wenn man sich den Erbgang der Erkrankungen in Erinnerung ruft, werden damit immer mehr versteckte Träger „produziert“. Leider sind von einem kompletten Zuchtverbot auch Tiere betroffen, die genetisch völlig gesund sind. Das ist wegen der schmalen Zuchtbasis der Niederlaufhunde extrem bedauerlich. Aber die Alternative, 

immer mehr versteckte Träger in die Zuchtbasis einzuschleusen, wäre viel fataler für die Zucht als Ganzes. 

Daher hat der Vorstand des VSN e.V. auf der letzten Mitgliederversammlung beschlossen, aktiv zu werden und nach erkrankten Tieren öffentlich zu suchen. Mindestens einem Besitzer eines Niederlaufhundes mit neurologischen Symptomen soll im Rahmen der finanziellen Mittel des VSN eine gründliche neurologische Untersuchung inclusive Hirnscan in der Neurologie der Uni Leipzig ermöglicht werden. Vielleicht kommen wir so endlich dem Rätsel der Erkrankung auf die Spur und 

können für die Gesunderhaltung der Rasse einen nützlichen Beitrag leisten.

Prof. Dr. Leeb, der Leiter der Genetik der Uni Bern hat im Übrigen angeboten, beim Aufbau einer Gendatenbank für Niederlaufhunde behilflich zu sein und dort könnten auch Blut- und Gewebeproben eingelagert werden. Die übrigen im VDH organisierten Vereine werden zeitnah überdiese Erkenntnisse informiert werden.


Sandra Langreder 

Schweizer Niederlaufhunde und genetische Erkrankungen

Gerne geben wir Interessierten Auskunft zu Art und Wesen der Rasse, seiner Verwendung als Arbeits- und Familienhund, sowie seinen Besonderheiten